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In den Medien liest man von Rezession, Stellenabbau und somit großen Kündigungswellen. Trennungsmanagement ist ein herausforderndes, aber immer essenzieller werdendes Thema für Unternehmen. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, steigender Kündigungszahlen und zunehmender Marktveränderungen wird der richtige Umgang mit Personalabbau zu einem strategischen Erfolgsfaktor.
Michaela Buttazzoni, Director, Prokuristin und Head of Trennungsmanagement & New Placement sowie Kerstin Tomancok, Managerin für Change Management und Learning & Development sowie New Placement bei BDO, haben uns im LSZ-Interview wertvolle Einblicke gegeben, wie Unternehmen professionelle, faire und wertschätzende Trennungskulturen etablieren können.

Kommunikation - die Basis einer wertschätzenden Trennungskultur
„Change Management spielt im Kündigungsprozess eine zentrale Rolle. Sowohl für Gekündigte als auch Verbleibende gibt es Lösungen, die den Abschiedsprozess und die damit einhergehenden Veränderungen erleichtern.“ (Kerstin Tomancok, BDO)
Ein erfolgreicher Trennungsprozess beginnt mit einer klaren und empathischen Kommunikation. Kerstin Tomancok erklärt: „Kündigungswellen lösen Unsicherheiten und Ängste aus. Um dem entgegenzuwirken, sind Transparenz und ein starkes Gemeinschaftsgefühl essenziell. Psychologische Sicherheit entsteht durch offene Kommunikation, Partizipation und eine klare Zukunftsperspektive.“
Michaela Buttazzoni betont, dass eine wertschätzende Trennungskultur ein zentraler Baustein des Employer Brandings ist: „Unternehmen sollten frühzeitig und offen kommunizieren, individuelle Umstände berücksichtigen und faire finanzielle sowie unterstützende Maßnahmen bereitstellen. Das stärkt nicht nur das Vertrauen der Mitarbeitenden, sondern schützt langfristig die Reputation des Unternehmens.“
Wie Unternehmen Betroffene unterstützen können
„Unternehmen sollten im Zuge von wertschätzenden Trennungen eine professionelle Begleitung zur Verfügung stellen.“ (Michaela Buttazzoni, BDO)
Neben den verbleibenden Mitarbeitenden dürfen die Betroffenen nicht vergessen werden. Buttazzoni erläutert: „Eine berufliche Veränderung bringt viele Herausforderungen mit sich – doch mit der richtigen Unterstützung wird sie zur Chance! Durch eine professionelle New Placement-Beratung erhalten Gekündigte eine strukturierte Begleitung auf ihrem Weg in die neue berufliche Zukunft.“
Dazu gehören:
- Individuelle Karriereberatung zur Erarbeitung einer neuen Berufsvision
- Optimierung der Bewerbungsstrategie im offenen und verdeckten Stellenmarkt
- Erstellung zeitgemäßer Bewerbungsunterlagen und Social-Media-Profile
- Coaching zur Bewältigung emotionaler Herausforderungen
- Zugang zu Netzwerken und verdeckten Stellenmärkten
Eine gut durchdachte New Placement-Strategie hilft nicht nur den Betroffenen, sondern schützt auch die Unternehmensreputation und minimiert potenzielle rechtliche oder rufschädigende Konsequenzen.
Die Rolle von Führungskräften
„Trennungsgespräche gehören wohl zu den emotional herausforderndsten Aufgaben im Führungsalltag.“ (Kerstin Tomancok, BDO)
Laut Tomancok sind Führungskräfte oft nicht ausreichend auf Trennungsgespräche vorbereitet: „Kaum eine Führungskraft wird darauf geschult, ein faires und wertschätzendes Trennungsgespräch zu führen. Hier helfen Schulungen, Mentoring und Coaching, um Sicherheit zu gewinnen.“
Empfohlene Maßnahmen von Kerstin Tomancok, Managerin für Change Management und Learning & Development bei BDO:
- Schulungen und Trainings anbieten, die auf emotionale Intelligenz, Kommunikationstechniken und Konfliktlösung fokussiert sind. So lernen Führungskräfte, schwierige Gespräche empathisch und professionell zu führen.
- Rollenmodelle und Best Practices einführen, bei denen erfahrene Führungskräfte ihre Erfahrungen und Strategien teilen, um Unsicherheiten zu reduzieren und ein Gefühl der Sicherheit zu geben.
- Mentoring und Coaching zur Verfügung stellen, um individuelle Herausforderungen zu besprechen und persönliche Entwicklung zu fördern.
- Feedback- und Reflexionsmöglichkeiten schaffen, um aus den Gesprächen zu lernen und sich kontinuierlich zu verbessern.
- Klare Richtlinien und Unterstützungssysteme entwickeln, um den Führungskräften in Trennungsgesprächen rechtliche und organisatorische Sicherheit zu bieten.
Michaela Buttazzoni betont zudem die Wichtigkeit eines professionellen Gesprächsaufbaus: „Man lernt, wie man ein Interview führt, aber nicht, wie man ein wertschätzendes Trennungsgespräch führt. Schulungen sind hier essenziell, um Unsicherheiten abzubauen und Gespräche professionell und empathisch zu gestalten.“
Häufige Fehler im Trennungsprozess
„Führungskräfte sollten sich vorbereiten, ehrlich, respektvoll und lösungsorientiert kommunizieren.“ (Michaela Buttazzoni, BDO)
Ein häufiger Fehler ist eine unpersönliche oder überhastete Kommunikation. Buttazzoni warnt: „Der Ablauf eines Trennungsprozesses muss vorab klar festgesetzt werden: Zeitpunkt (nie vor einem Urlaub oder vor dem Wochenende), Ort (geschlossenes Zimmer) und Gesprächspartner:in (idealerweise Führungskraft und HR – Vieraugenprinzip). In einem emotionalen Moment fallen die Kündigenden leider immer wieder um, wenn es um klare next steps oder Vereinbarungen im Zuge des Austrittspakets geht. Ein großes No-Go!“
Ein weiterer Fehler ist mangelnde Unterstützung für die Betroffenen. Unternehmen unterschätzen oft die Wichtigkeit von New Placement-Programmen oder Coaching-Möglichkeiten für Gekündigte. „Betroffene haben über ein professionelles Aufsetzen der Bewerbungsstrategie größere Konkurrenzfähigkeit im beruflichen Wettbewerb. Das Risiko hinsichtlich Arbeitslosigkeit wird minimiert. Durch die Gewährung von New Placement-Programmen werden aufwändige Kündigungs- und Arbeitsgerichtsverfahren vermieden, eine Erleichterung für den Abschluss der Auflösung des Dienstverhältnisses ist gegeben und langfristig wird die Reputation des Unternehmens nicht geschädigt. Außerdem sind die Kosten für New Placement-Programme für das Unternehmen steuerlich absetzbar.“
Die Auswirkungen auf verbleibende Teams
„Kündigungswellen lösen Unsicherheiten und Ängste aus, was zu geringerer Leistung, sinkender Motivation und höherem Fluktuationsrisiko führen kann. Um dem entgegenzuwirken, ist vor allem das Gefühl der Verbundenheit wichtig.“ (Kerstin Tomancok, BDO)
Nicht nur Betroffene, sondern auch verbleibende Mitarbeitende sind von Kündigungen betroffen. Tomancok erklärt: „Verbleibende Mitarbeiter:innen müssen spüren, dass ihre Sorgen gehört werden und sie eine klare Zukunftsperspektive haben. Wertschätzung und Anerkennung stärken die Moral, während klare Informationen, Partizipation und Zielsetzung Orientierung und Zusammenhalt bieten.“
Unternehmen können folgende Maßnahmen ergreifen:
- Coaching und Teambuilding zur Stärkung des Zusammenhalts
- Klare Kommunikation zur Reduktion von Unsicherheiten
- Unterstützung der Führungskräfte, um deren Rolle im Change-Prozess zu stärken
Trennungskultur: fair, professionell und menschlich
Langfristig erfolgreiche Unternehmen setzen auf eine wertebasierte Trennungskultur. Tomancok betont: „Kulturarbeit ist Wertearbeit. Ein klar definierter Wertekanon, der Fairness und Respekt fördert, sollte die Grundlage für alle Trennungsprozesse bilden. Regelmäßige Evaluationen und Feedbackrunden ermöglichen es, den Trennungsprozess stetig zu verbessern und an die Bedürfnisse aller Beteiligten anzupassen.“
Elemente einer nachhaltigen Trennungskultur:
- Transparente Kommunikation
- Unterstützende Maßnahmen wie Outplacement und Coaching
- Empathische Führung
- Laufende Reflexion und Optimierung des Prozesses
Trennungsmanagement beim FUTURE OF WORK-Kongress 2025
Michaela Buttazzoni und Kerstin Tomancok werden ihr Wissen FUTURE OF WORK-Kongress im Mai 2025 teilen. Ihr Workshop "Die Kunst der fairen Trennung – Wie Kündigende, Betroffene und Verbleibende die Veränderungen meistern!" bietet praxisnahe Einblicke und Best Practices für Unternehmen, die ihren Trennungsprozess professionell und menschlich gestalten möchten.
Ein fairer Abschied
„Eine wertschätzende Trennungskultur basiert auf sozialer Verantwortung, Respekt und Transparenz.“ (Michaela Buttazzoni, BDO)
Trennungsmanagement ist mehr als nur ein notwendiges Übel – es ist ein entscheidender Faktor für die Unternehmenskultur, das Employer Branding und die Motivation der Mitarbeitenden. Ein professioneller und empathischer Umgang mit Kündigungen zahlt sich langfristig aus. Wer den Change-Prozess strategisch plant und durch professionelle Begleitung unterstützt, kann nicht nur Reputationsrisiken minimieren, sondern auch das Vertrauen und die Loyalität der verbleibenden Belegschaft stärken.