Die Zahlen sind ernüchternd, die Erschöpfung ist real [1]. Und trotzdem gibt es Grund zur Zuversicht. Denn immer mehr Organisationen erkennen: Vereinbarkeit ist kein Privatproblem ihrer Mitarbeitenden. Es ist eine strategische Aufgabe, die auf allen Ebenen ansetzen muss.
Warum individuelle Lösungen nicht reichen
Wenn Vereinbarkeit scheitert, liegt das selten an mangelndem Willen. Die Ursachen sind vielschichtig und systemisch: strukturelle Benachteiligungen, die Care-Arbeit unsichtbar machen. Ungleiche Machtverteilungen, die bestimmte Lebensmodelle bevorzugen. Tradierte Rollenvorstellungen, die uns unbewusst steuern. Alte Muster in Familien und Teams. Persönliche Ängste vor Veränderung. Fehlende Strategien für den Alltag. Und nicht zuletzt: Gewohnheitsverhalten, das schwer zu durchbrechen ist.
Wer nur an einer Stellschraube dreht, wird wenig bewegen. Echte Veränderung braucht einen ganzheitlichen Ansatz. Organisationen sind in einer guten Position, diesen anzustoßen.
Wenn Vereinbarkeit gelingt
Es ist vielfach erwiesen: Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in Führungspositionen sind wirtschaftlich erfolgreicher. Die Quote alleine ist es aber nicht. Das Management eines Unternehmens muss in der Lage sein, die jungen talentierten Frauen im Unternehmen zu halten. Den Frauen frühzeitig den Weg in die Führung zu ermöglichen, sie in der Zeit von Familienkarenz nicht zu vergessen und sie danach auch wieder qualifiziert im Unternehmen einzubinden. Frauen verhalten sich auch sehr loyal gegenüber dem Unternehmen, wenn die Bedingungen entsprechende Vereinbarkeit möglich machen.
Einen weiteren Hebel stellt ein gleichberechtigtes Rollenbild von Männern und Frauen mit fair verteilten Care-Aufwendungen dar. Es bedarf betrieblicher und gesetzlicher Anreize, um auch Männer-Karenz zu forcieren. Das trägt nicht nur zur Diversität bei, es stärkt auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft.
Der Hebel: Organisationen als Ermöglicher
Unternehmen und Institutionen können also mehr tun als flexible Arbeitszeiten anzubieten. Sie können Räume schaffen, in denen Menschen auf allen drei Ebenen wachsen: beruflich, persönlich und als Teil einer gerechteren Gesellschaft.
Beruflich bedeutet das: Führung auf Augenhöhe etablieren, Karrierewege neu denken, Teilzeit entstigmatisieren und Leistung nicht an Präsenz messen.
Persönlich bedeutet das: Mitarbeitenden Zugang zu Reflexion, Coaching und neuen Kompetenzen ermöglichen – damit sie alte Muster erkennen und verändern können.
Gesellschaftlich bedeutet das: Neue Narrative vorleben und nach außen tragen. Organisationen
Was können erfolgreiche Organisationen tun:
Flexible Arbeitszeitmodelle sind wichtig, aber sie allein verändern keine Kultur. Bietet euren Mitarbeitenden Programme an, die tiefgreifende Reflexion ermöglichen: über eigene Glaubenssätze, Rollenbilder und Machtdynamiken. Erst wenn Menschen verstehen, warum sie tun, was sie tun, können sie anders handeln.
Vereinbarkeit wird im mittleren Management entschieden – dort, wo Urlaubsanträge genehmigt und Beförderungen besprochen werden. Schult eure Führungskräfte nicht nur in Prozessen, sondern in empathischer Führung auf Augenhöhe. Gebt ihnen Werkzeuge, um faire Verteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit aktiv zu fördern. Damit moderne Rollenbilder für alle salonfähig werden.
Vereinbarkeit betrifft nicht nur Mütter mit kleinen Kindern. Sie betrifft unmittelbar auch Männer, die sich fair an der Care-Arbeit beteiligen und als Väter präsent sein wollen. Sie betrifft pflegende Angehörige, Menschen in Patchwork-Konstellationen und bewusst Kinderlose mit anderen Care-Verantwortungen.
Damit sehen wir: Vereinbarkeit betrifft (nahezu) alle Menschen. Eine inklusive Organisation erkennt diese Vielfalt an und gestaltet Strukturen, die für alle funktionieren.
Ein zuversichtlicher Blick nach vorn
Die gute Nachricht: Veränderung ist möglich. Jede Organisation, die heute in echte Vereinbarkeit investiert, gestaltet nicht nur bessere Arbeitsbedingungen – sie gestaltet eine gerechtere Gesellschaft.
Denn am Ende geht es um mehr als Work-Life-Balance. Es geht um Gerechtigkeit, Gesundheit und ein Leben, das für alle funktioniert.
Nutzen Sie die Gelegenheit, Sabina Haas bei der Future of Work live zu treffen und in ihrem Workshop wertvolle Impulse mitzunehmen.Es sind noch Tickets verfügbar.
[1] 40-50 % der Österreicher:innen haben Anzeichen von Burnout-Symptomen.
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20250716_OTS0013/fast-jeder-zwe…
https://www.derstandard.at/story/3000000209202/40-prozent-der-erwachsen…