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KI wird zum zweitgrößten Risiko für Unternehmen

AI

Das Allianz Risk Barometer 2026 zeigt, wie sich digitale Risiken gegenseitig verstärken. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle. 

Einmal im Jahr erstellt Allianz Commercial gemeinsam mit anderen Einheiten des Versicherungskonzerns eine Rangliste der globalen Unternehmensrisiken. Der Bericht für das Jahr 2026 basiert auf Befragungen von 3.338 Risikomanagement-Spezialisten aus 97 Ländern, darunter zahlreiche Führungskräfte, Makler und Versicherungsexperten. Besonders auffällig in der fünfzehnten Auflage ist der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz. In nur einem Jahr kletterten KI-Risiken im Ranking von Platz 10 auf Platz 2. 

Schon zum fünften Mal in Folge stehen Cybervorfälle ganz oben auf der Liste. Der Allianz-Bericht nennt vor allem Ransomware-Attacken, Datenschutzverletzungen und KI-gestützte Angriffe. Hinzu kämen vermehrt ausgefeilte Phishing-Attacken und Malware. Beide Bedrohungsarten gewönnen durch den KI-Einsatz weiter an Durchschlagskraft. 

Zwar beträfen die Cyber-Risiken grundsätzlich Unternehmen aller Größenklassen, so die Autoren. Doch während Großunternehmen sich in Sachen Resilienz mit hohen Investitionen immer besser aufstellen, gerieten vor allem kleine und mittlere Betriebe zunehmend ins Visier. Vielen fehlten schlicht die Ressourcen, um sich etwa gegen Ransomware-Attacken zu wappnen. 

Die rasant gewachsene Bedeutung der künstlichen Intelligenz wirke sich gravierend auf die globale Bedrohungslage aus, berichten die Allianz-Experten. Einerseits verspreche die KI in vielen Bereichen enorme Effizienzgewinne, andererseits gingen mit dem hohen Tempo der Einführung immer größere Risiken einher. Die Folge könnten nicht nur Reputationsschäden sein, sondern auch existenzgefährdende Betriebsausfälle.  

„In vielen Fällen schreitet die Einführung schneller voran als Governance, Regulierung und Unternehmenskultur mithalten können“, beobachtet Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz. Unternehmen müssten sich deshalb verstärkt mit Haftungsfragen und voreingenommenen KI-Modellen auseinandersetzen. Hinzu komme die Ungewissheit, wer am Ende verantwortlich ist, wenn ein Algorithmus etwa einen Schaden in Millionenhöhe verursacht.  

Trotz der wachsenden Bedrohungen geht eine Mehrheit der Befragten davon aus, dass die durch KI erzielbaren positiven Effekte die Risiken überwiegen. Hierzulande scheinen die Bedenken zudem weniger ausgeprägt zu sein. So sehen deutsche Teilnehmer die KI nur auf Platz vier der größten Risiken. Cyber-Attacken und Betriebsunterbrechungen stehen an der Spitze. 

Betriebsunterbrechungen auf Platz 3 der globalen Risiken

Blickt man auf alle Befragten, so gelten Betriebsunterbrechungen als drittgrößtes Unternehmensrisiko. Fragile Lieferketten vor allem aufgrund geopolitischer Spannungen werden als häufigste Ursachen genannt. Als besonders bedrohlich empfinden die Entscheider sogenannte „Black-Swan“-Szenarien: Mehr als die Hälfte der Befragten hält eine durch geopolitische Konflikte verursachte Lähmung der Handelswege für die größte Gefahr in den kommenden fünf Jahren. 

Regulierung und Gesetzgebung als Risikofaktoren

Zu kämpfen haben viele Unternehmen auch mit den zahlreichen Änderungen in der Gesetzgebung und der Regulatorik. Dieser Aspekt steht immerhin auf Platz 4 der Risikorangliste. Vor allem das Thema Zölle beschäftigt die Befragten. Viele Unternehmen versuchen vor diesem Hintergrund, neue Märkte zu erschließen und Lieferketten zu diversifizieren. 

Generell sehen die Allianz-Experten eine zunehmende regulatorische Divergenz, die auch als „Compliance-Schleudertrauma“ bezeichnet wird. Unterschiedliche globale Standards in Bereichen wie Digitalethik, Nachhaltigkeitsberichterstattung oder Handelsvorschriften erschwerten Entscheidern die strategische Planung. 

Naturkatastrophen und Klimawandel

Obwohl Naturkatastrophen in der Risikoliste auf Platz fünf zurückgefallen sind, bleibt die finanzielle Belastung durch versicherte Schäden hoch, so ein weiteres Ergebnis. 2025 war das sechste Jahr in Folge, in dem die versicherten Schäden 100 Milliarden Dollar überschritten haben. 

Das Thema Klimawandel rutscht auf Platz 6, hat aber den Studienautoren zufolge weiterhin eine zentrale Bedeutung. Betriebsunterbrechungen, Engpässe in der Lieferkette und Störungen der Logistik aufgrund extremer Wetterereignisse sind für die Befragten das wichtigste klimabezogene Geschäftsthema. Auf den Plätzen in der Top-10-Liste folgen politische Risiken und Gewalt, die makroökonomische Entwicklung, Feuer und Explosionen sowie generelle Marktentwicklungen. 

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Angesichts immer komplexerer Risiken, die sich gegenseitig verstärken, seien Risikomanager gefordert, integrierte Ansätze statt isolierte Einzelstrategien zu entwickeln, lautet eine Empfehlung der Allianz-Experten. Ein Cyberangriff etwa könne nicht nur zu Betriebsunterbrechungen und Bußgeldern führen, sondern auch einen Reputationsschaden verursachen. 

Das transformative Potenzial der KI verändere die Risikolandschaft grundlegend, kommentiert Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial. Unternehmen müssten lernen, sowohl traditionelle Gefahren wie Feuer oder Naturkatastrophen zu managen als auch in der neuen, durch Algorithmen getriebenen Welt handlungsfähig zu bleiben.