Ein Artikel von Julia Pleyer & Daniel Dannhofer
Seit Jahren dominiert sie die Schlagzeilen. Und doch: In den meisten Unternehmen läuft sie im Leerlauf, oder wird gar nicht genutzt. Das Paradoxe? Technologie und Tools sind da. Der Nutzen bleibt aus.
Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. Und hier beginnt die erste strategische Weichenstellung: bauen oder kaufen?
Build vs. Buy: Warum die meisten die falsche Frage stellen
Viele unterschätzen die strategische Bedeutung der Build-vs.-Buy-Diskussion. Vendor-Lösungen sind schnell einsatzbereit, aber oft generisch. Interne Builds passen perfekt. Doch ohne Domänenwissen werden sie zu teuren Insellösungen. Die Lösung? Hybridansätze: Kernfunktionen kaufen, individuelle Anpassungen selbst entwickeln. So kombiniert man Speed mit Kontrolle - und vermeidet die Fallstricke beider Extreme.
Entscheidend ist dabei nicht die Frage, welche Lösung am modernsten wirkt, sondern welche Lösung zum konkreten Use Case, zur Datenlage und zur Organisation passt.
Doch selbst die beste Strategie nützt wenig, wenn die eigentliche Hürde ignoriert wird.
Selbst gehostet oder Cloud? Eine Frage der Governance
Die Wahl zwischen Cloud und On-Prem ist keine technische, sondern eine Governance-Frage. In regulierten Branchen (Finanzen, Gesundheit) entscheidet oft allein die Compliance: Wer dem Cloud Act oder der DSGVO unterliegt, setzt auf eigene Infrastruktur, selbst wenn die Cloud mehr Features bietet. Denn am Ende wiegt die Datenhoheit schwerer als jeder Algorithmus.
Besonders bei Agentic AI, also KI-Systemen, die Aufgaben zunehmend eigenständiger planen oder ausführen können, wird diese Frage noch relevanter: Je mehr Verantwortung ein System übernimmt, desto wichtiger werden Transparenz, Kontrolle und klare Regeln.
Das eigentliche Problem: Nicht die Technologie, sondern die Kluft zwischen Machbarkeit und Praxis
Die meisten KI-Projekte scheitern nicht an Algorithmen. Sie scheitern an der Kluft zwischen technischer Machbarkeit und gelebter Praxis.
Wie viele Stunden verbringen Ihre Mitarbeiter monatlich mit manuellen Datenübertragungen? 20 Stunden pro Monat. Das sind 240 Stunden im Jahr. Oder: eine ganze Arbeitswoche, die in sinnloser Fleißarbeit verschwendet wird.
Genau hier zeigt sich der eigentliche Wert von KI: nicht als abstrakte Zukunftstechnologie, sondern als konkreter Hebel, um repetitive Arbeit zu reduzieren und Mitarbeitende dort einzusetzen, wo sie echten Mehrwert schaffen.
Der Adoption Gap: Warum 8 von 10 Mitarbeitern KI einfach ignorieren
Hier kommt das nächste Paradox: KI wäre in den meisten Unternehmen längst einsatzbereit - aber nur ein Bruchteil der Belegschaft nutzt sie tatsächlich.
Dabei ist das größte Hindernis oft nicht die Technologie, sondern der Mensch: Der eine fürchtet um seinen Job, der andere sieht keinen Sinn darin, und der dritte hat einfach keine Lust, sich umzustellen. Solange der alte Weg "irgendwie funktioniert", bleibt die KI ungenutzt. Dabei könnte sie genau diese "irgendwie"-Prozesse ersetzen, und den Mitarbeitern endlich Zeit für das geben, was wirklich zählt.
Damit KI angenommen wird, braucht es deshalb mehr als Lizenzen und Schulungen. Mitarbeitende müssen verstehen, welchen konkreten Nutzen KI in ihrem Arbeitsalltag bringt und wo sie tatsächlich entlastet statt zusätzlich belastet.
Die Lektion: KI ist kein Selbstzweck, sondern ein Spiegel
KI ist kein Selbstzweck, sie ist ein Spiegel. Ein Spiegel, der zeigt, wer bereit ist, alte Gewohnheiten abzulegen. Sie zeigt auch, wo Prozesse unnötig kompliziert sind, wo Daten nicht sauber fließen und wo Verantwortung im Unternehmen unklar bleibt.
Die gute Nachricht: Es ist noch lange nicht zu spät.
Die Frage ist nicht, ob Sie KI brauchen. Sondern ob Sie bereit sind, die Prozesse dahinter zu ändern. Denn die Unternehmen, die KI erfolgreich nutzen, sind nicht die mit der besten Technologie. Sie sind die mit den besten Mitarbeitern, die sie auch nutzen.
Drei Dinge entscheiden dabei über den Erfolg: ein klarer Business Case, passende Governance und eine Belegschaft, die KI nicht nur kennt, sondern sinnvoll anwenden kann.
Wer genau diese Fragen nicht nur diskutieren, sondern praktisch lösen möchte: Kommen Sie zum AI Challenge Accepted! Summit am 17. November in Linz und erleben Sie, wie KI vom Schlagwort zum echten Business-Hebel wird.