Off the Record: Warum unsere besten Strategien am Montagmorgen versanden.
Du kennst das Gefühl. Wir stehen im Konferenzraum eines schicken Hotels am Bodensee, Blick aufs Wasser. Die Flipcharts sind vollgekritzelt mit Visionen, die Luft vibriert vor Tatendrang. Wir haben uns auf ein "North Star Goal" geeinigt. High-Fives, Schulterklopfen.
Es fühlt sich an wie ein echter Durchbruch.
Dann kommt der Montagmorgen. 09:00 Uhr. Das erste Meeting im Büro. Und plötzlich wirkt die euphorische Strategie vom Freitag wie ein Fremdkörper zwischen "Budgetkürzung Q3" und "Fachkräftemangel in der IT".
Warum wir Meister im Planen und Lehrlinge im Umsetzen sind
Wir alle kennen die Tools. Wir nutzen Osterwalders Canvas, wir bauen die perfekte "Invincible Company" auf dem Papier. Theoretisch sind wir unschlagbar.
Aber in der Praxis laufen wir gegen eine unsichtbare Wand. Wir leiden an einer kollektiven Illusion: Wir glauben, Strategie sei ein intellektuelles Problem. Wenn wir nur klug genug nachdenken, ergibt sich der Erfolg von selbst.
Falsch!
Der Realitäts-Check
Strategien versanden nicht an fehlender Vision. Sie versanden, weil wir den Weg vom Offsite zur Kaffeemaschine unterschätzt haben. Wir behandeln die Umsetzung als simplen technischen Prozess, dabei ist sie ein kultureller Härtetest.
Wir übergeben das Strategiepapier an die Teams ("Hand-off") und erwarten, dass sie loslaufen. Stattdessen bleiben sie stehen. Nicht aus Bosheit, sondern weil der operative Alltag jede Abweichung bestraft. Wir haben das Neue geplant, aber das Alte incentiviert.
Das Ergebnis ist kein Knall, sondern das langsame, leise Verpuffen bester Absichten. Wir kleben weiter Post-its, während das Kerngeschäft die Innovation einfach aussitzt.
Doch es liegt nicht nur an den Prozessen. Es gibt einen Faktor, den wir im DACH-Raum systematisch ignorieren, weil er schwer zu messen ist. Etwas, das in unseren Meetingräumen passiert, wenn der Chef den Raum verlässt – oder schlimmer: wenn er drinbleibt.
Was wir tun können – konkret und klein anfangen
Die Wirkung eines Offsites misst sich nicht an der Zahl der Post-its, sondern an der Haltbarkeit der Energie. Kann sie sich im System verankern? Wird sie verteidigt, wenn der Alltag zurückschlägt?
Wer das Offsite ernst meint, plant nicht nur das Event, sondern auch die Anschlussfähigkeit der Ergebnisse: regelmäßige Check-ins, klare Verantwortungsanker, offene Räume für Widerspruch. Denn Umsetzung braucht nicht nur Struktur – sie braucht auch Mut zur Lücke: die Bereitschaft, bestehende Routinen aufzubrechen.
Im nächsten Newsletter erfährst du, was diese unsichtbaren Bremsklötze auslöst