KI verändert unsere Arbeitswelt schneller, als sich Bildungssysteme und Organisationen darauf einstellen können. Wie gut bereiten wir junge Menschen auf die Anforderungen der Wirtschaft vor? Welche Fähigkeiten werden künftig gebraucht und welche Verantwortung tragen Unternehmen? Diese Fragen standen zum Auftakt des zweiten Tages beim CIO Kongress 2026 im Mittelpunkt. Der von LSZ veranstaltete CIO Kongress gilt als Österreichs relevantester praxisorientierter Treffpunkt für CIOs und IT-Entscheider:innen.
Zukunftsforscher Franz Kühmayer und Bildungsminister Christoph Wiederkehr rückten die Zukunft menschlicher Fähigkeiten in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Vertreter:innen aus Wirtschaft und Bildung ging es um die Frage, wie Menschen und Organisationen mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt halten können.
The Human Upgrade: Was bleibt menschlich, wenn KI immer mehr kann?
Je leistungsfähiger KI-Systeme werden, desto wichtiger werden menschliche Fähigkeiten wie Urteilsvermögen, Kreativität, Eigenverantwortung und kritisches Denken.
Vordenker Franz Kühmayer zeigte in seiner Keynote, wie technologische Umbrüche unser Menschenbild verändern: Während die industrielle Revolution körperliche Arbeit und die Digitalisierung den Umgang mit Wissen prägten, übernimmt KI zunehmend auch menschliche Denk- und Wissensleistungen.
Lesetipp: Mehr dazu auch im LSZ-Beitrag The Human Upgrade: Warum KI uns zwingt, bessere Menschen zu werden.
Für Unternehmen verschiebt sich dadurch die Perspektive. Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich, welche Tätigkeiten automatisiert werden können, sondern wie menschliche und maschinelle Intelligenz künftig sinnvoll zusammenspielen.
Für CIOs und HR-Verantwortliche bedeutet das: Technologische Transformation muss mit der Entwicklung von Menschen und Organisationen einhergehen.
Bildung unter Veränderungsdruck: Lernen wir noch das Richtige?
Das Bildungssystem muss junge Menschen auf eine Arbeitswelt vorbereiten, in der sich Technologien und Berufsbilder laufend verändern. Entscheidend ist nicht allein der Umgang mit KI, sondern die Fähigkeit, deren Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.
Mit seinem Impuls zu Arbeit, Bildung, Leadership – kritische Spannungsfelder brachte Bundesminister Christoph Wiederkehr die bildungspolitische Perspektive ein.
Die Herausforderung: Kinder und Jugendliche nutzen KI-Tools häufig bereits selbstverständlich im privaten Alltag. Doch wer KI nur konsumiert, lernt nicht automatisch, ihre Ergebnisse zu beurteilen.
Wenn KI Texte, Berechnungen und Programmcode in Sekunden generiert, gewinnen kritisches Denken, Medienkompetenz und Urteilsvermögen an Bedeutung. Denn Fehler zu erkennen, Quellen zu überprüfen und Desinformation von verlässlichen Informationen zu unterscheiden, erfordert fundiertes Wissen.
Wiederkehr betonte dabei die Bedeutung der Lehrkräfte: Nicht nur Informatiklehrer:innen, sondern alle Pädagog:innen benötigen grundlegende KI-Kompetenzen, sowohl für den Unterricht als auch für dessen Vor- und Nachbereitung.
The Value-Skill Gap: Zwischen Schulbank und KI-Fabrik
Der Value-Skill Gap beschreibt die Lücke zwischen den Fähigkeiten, die junge Menschen in ihrer Ausbildung erwerben, und jenen Kompetenzen, die Unternehmen in einer zunehmend KI-geprägten Arbeitswelt benötigen.
Wie lässt sich diese Lücke schließen? Darüber diskutierten beim LSZ CIO-Kongress unter anderem Martin Fluch, CIO (REWE International) und Astrid Zöchling, CIO (ORF). Die Bildungsperspektive brachten Bernhard Gmeiner, Lehrer (GRG15) und Bildungsminister Christoph Wiederkehr ein. Moderiert wurde die Diskussion von Michael Georg Grasser, Associate Professor (FH JOANNEUM).
Unternehmens-IT: Wenn sich Skills schneller verändern als Jobprofile
Für Unternehmen ist der Kompetenzwandel längst Realität. KI verändert Prozesse in der Softwareentwicklung, Datenverarbeitung und Wissensarbeit. Damit entstehen neue Anforderungen an IT-Teams und Fachbereiche.
Ein Beispiel ist die KI-gestützte Softwareentwicklung. Wenn Systeme Programmcode generieren, verschiebt sich ein Teil der menschlichen Arbeit hin zur Definition von Anforderungen, Qualitätssicherung und Bewertung von Sicherheitsrisiken.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob Mitarbeitende KI bedienen können, sondern ob sie deren Ergebnisse verstehen, überprüfen und im jeweiligen fachlichen Kontext sinnvoll einsetzen.
Schule und Wirtschaft: Mehr Praxis ins Klassenzimmer
Die Diskussion verdeutlichte, wie wichtig eine engere Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen ist. Praxisnahe Modelle wie HAK-Übungsfirmen oder Kooperationen mit Betrieben können jungen Menschen vermitteln, wie Wissen im Berufsalltag angewendet wird. Solche Initiativen gilt es stärker auszubauen.
Gleichzeitig braucht es mehr Eigenverantwortung und Selbstmotivation. Junge Menschen müssen lernen, sich kontinuierlich neues Wissen anzueignen, statt ausschließlich auf vorgegebene Lerninhalte zu vertrauen. Denn Schulen können nicht jede zukünftige Technologie vermitteln. Sie können aber die Grundlagen schaffen, damit Menschen mit Veränderungen umgehen und selbstständig weiterlernen können.
Raus aus dem Reformstau: Was muss sich ändern?
KI-Kompetenz darf kein Spezialwissen einzelner Fächer bleiben. Digitale Bildung und kritischer Umgang mit Technologie müssen stärker Teil der Allgemeinbildung werden. In der Diskussion wurde deutlich, dass dafür nicht nur neue Lehrpläne, sondern auch Freiräume für Innovation und eine veränderte Lernkultur notwendig sind.
Der Vergleich mit einem großen Tanker beschreibt die Herausforderung des Bildungssystems: Grundlegende Reformen brauchen Zeit. Ergänzend können kleinere, flexible Initiativen neue Unterrichtsformen schneller erproben.
Für Unternehmen ergibt sich daraus ebenfalls Verantwortung. Wer künftig qualifizierte Fachkräfte benötigt, sollte nicht ausschließlich auf Reformen im Bildungssystem warten, sondern Kooperationen mit Schulen und Hochschulen aktiv unterstützen.
Leadership: Die KI-Transformation ist keine reine IT-Aufgabe
Die Kompetenzfrage endet nicht mit dem Berufseinstieg. KI verändert bestehende Tätigkeiten, Verantwortlichkeiten und Anforderungen an Führung.
Für CIOs bedeutet das, Weiterbildung stärker mit konkreten Geschäftsprozessen zu verbinden. Neben Technologiearchitektur und IT-Security gewinnen Organisationsentwicklung, Kommunikation und Kompetenzmanagement an Bedeutung.
Was CIOs und Digital Executives vom LSZ CIO-Kongress mitnehmen können:
Der Auftakt des zweiten Kongresstages griff einen zentralen Gedanken des diesjährigen hochrelevanten LSZ CIO-Kongresses auf: Co-Intelligence.
Für Unternehmen und Bildungseinrichtungen ergeben sich daraus konkrete Handlungsfelder:
- KI-Kompetenz breit aufbauen: Lehrkräfte und Mitarbeitende benötigen grundlegendes Verständnis für KI und ihre Grenzen.
- Urteilsvermögen stärken: Kritisches Denken und die Bewertung von KI-Ergebnissen werden wichtiger.
- Bildung und Wirtschaft vernetzen: Kooperationen und praxisnahe Lernmodelle stärker ausbauen.
- Lebenslanges Lernen fördern: Eigenverantwortung und kontinuierliche Weiterbildung in Organisationen verankern.
- Leadership weiterentwickeln: CIOs, HR und Unternehmensführung müssen technologische und organisatorische Veränderungen gemeinsam gestalten.
Die nächste große Investitionsentscheidung betrifft deshalb nicht nur neue KI-Technologien, sondern auch die Fähigkeiten der Menschen, die künftig mit ihnen arbeiten.
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Wie lassen sich neue Technologien sicher und wirksam einsetzen? Gelegenheit für wertvollen Austausch mit Fachleuten bieten das Cyber Crime Forum am 10. November in Linz und die Production & IT am 11. November in Rankweil mit Fokus auf Digitalisierung, KI und industrielle Praxis.
Save the Date: Der nächste LSZ CIO-Kongress in Loipersdorf findet vom 17. bis 19. Oktober 2027 statt. Der relevanteste IT-Kongress Österreichs bringt hochkarätige Expert:innen und führende IT-Entscheider:innen zusammen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis, strategische IT-Zukunftsfragen und der persönliche Austausch innerhalb der CIO-Community.