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Wenn KI mitentwickelt: Neuer Wind in der Software-
entwicklung

AI_Programmieren

KI beschleunigt die Softwareentwicklung, aber schneller produzierter Code ist noch keine bessere Software. Interessant wird es dort, wo Entwickler:innen nicht mehr nur einzelne KI-Vorschläge übernehmen, sondern Aufgaben an KI-Agenten übergeben, deren Ergebnisse kontrollieren und gemeinsam mit ihnen Anwendungen weiterentwickeln.

Wie das in der Praxis aussehen kann, erproben die IT-Verantwortlichen der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (kurz AGES) gemeinsam mit Jürgen Bogner (biteme.digital): von einem selbst entwickelten KI-Lernspiel für rund 80 IT-Profis bis hin zum agentischen Arbeiten in der Softwareentwicklung. Beim CIO-Kongress 2026 geben Gottfried Scheck, CIO der AGES, und Matthias Huber, Abteilungsleiter Software Development, gemeinsam mit Jürgen Bogner Einblick in diesen Weg. 

Zunächst lohnt jedoch der Blick darauf, was sich in der Softwareentwicklung gerade tatsächlich verändert.

Jürgen Bogner
Jürgen Bogner, biteme.digital

 

KI als Verstärker von Stärken und Schwächen

Wie weit KI bereits im Entwicklungsalltag angekommen ist, zeigt der 2025 DORA State of AI-assisted Software Development Report von Google. Grundlage sind Befragungen von knapp 5.000 Technologie-Fachkräften weltweit sowie mehr als 100 Stunden qualitative Daten. 90 Prozent der Befragten geben an, KI bei der Arbeit zu nutzen. Mehr als 80 Prozent sagen, dass KI ihre Produktivität erhöht hat. Gleichzeitig beschreibt DORA KI als Verstärker bestehender Strukturen: Gut funktionierende Teams und Prozesse können profitieren, vorhandene Schwächen werden ebenfalls verstärkt.

Mehr Code ist noch kein Produktivitätsgewinn

KI nimmt Entwickler zwar Arbeit ab, schafft aber auch neue. Generierter Code muss verstanden, überprüft, getestet und sicher in bestehende Systeme integriert werden. DORA beschreibt dabei ein Spannungsfeld: Eine höhere KI-Nutzung ist mit höherem Software-Delivery-Throughput, gleichzeitig aber auch mit höherer Instabilität verbunden. Zeit, die bei der Erstellung eingespart wird, fließt laut einer qualitativen Auswertung von 1.110 Antworten von Google-Softwareentwickler häufig in Prüfung und Verifikation.

Bei der AGES zeigt sich der Produktivitätsgewinn nicht nur beim Schreiben von Code. Software-Entwicklungsleiter Matthias Huber sieht einen wesentlichen Vorteil bereits deutlich früher im Projekt:

„KI im Entwicklungsprozess verschafft uns einen breiteren Lösungsraum und schnellere Iterationen. Durch KI-gestützte Mockups und Prototypen wird das Zielbild bereits zu Projektbeginn sichtbar und mit Kunde und Fachbereich validierbar. Das reduziert Abstimmungsschleifen und Fehlentwicklungen – und damit Time-to-Market und Projektrisiko.“ 

Produktivität entsteht damit nicht zwangsläufig dadurch, dass Entwickler:innen mehr Code in weniger Zeit schreiben. Wenn Fachbereich und Entwicklung früher an einem konkreten Prototyp arbeiten können, lassen sich Anforderungen früher überprüfen und Fehlentwicklungen vermeiden.

Wie lernt ein IT-Team die neue Arbeitsweise?

Die AGES-IT hat dafür einen ungewöhnlichen Ansatz gewählt. Rund 80 IT-Profis absolvierten nicht einfach eine klassische KI-Schulung. Statt sich KI erklären zu lassen, entwickelte das Team ein eigenes KI-Lernspiel rund um die Arbeitswelt der AGES: Gesundheit für Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt.

Das Prinzip: Das Bauen ist das Lernen. Wer beispielsweise selbst ein Level entwickelt, in dem sich eine Prompt-Injection versteckt, muss verstehen, wie der Angriff funktioniert.

CIO Gottfried Scheck ging es dabei nicht um Wissensvermittlung allein:

„Mir ging es nie darum, unseren Mitarbeitenden ein Thema näherzubringen. Ich wollte sie im wahrsten Sinne des Wortes enablen: befähigen, das Potenzial selbst zu erkennen – und dafür zu brennen.“ 

Die Neugier auf KI sei dadurch in der gesamten IT gewachsen, aus Eigeninteresse habe sich „echter Wissensdurst nach KI“ entwickelt. Besonders bemerkenswert sei für Scheck gewesen, „wie ein Team sich gegenseitig weiterentwickelt und Dinge schafft, die wenige Wochen zuvor noch unvorstellbar waren“.

Das Lernspiel ist nur der Einstieg

Interessant wird das AGES-Beispiel dort, wo es über das Lernformat hinausgeht. Gemeinsam arbeitet die AGES-IT mit Bogner an einer Mensch-KI-Architektur, in der Teams gemeinsam mit KI-Agenten an Softwareprojekten arbeiten und bestehende Anwendungen weiterentwickeln können..

Damit geht es um agentisches Arbeiten. KI unterstützt nicht mehr nur punktuell beim Schreiben einzelner Codezeilen, sondern kann Aufgaben übernehmen und über mehrere Arbeitsschritte hinweg bearbeiten.

Bei der AGES bedeutet das allerdings nicht, dass Agenten freie Hand bekommen. Scheck und Huber vergleichen sie mit Mitarbeitenden, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied:

„Die Agenten erfordern mehr Aufmerksamkeit als andere und vor allem klar gezogene Grenzen, damit ihre Ergebnisse unseren internen Richtlinien und Regelwerken entsprechen.“

Agenten werden deshalb immer von Personen gesteuert, die ihre Ergebnisse fachlich prüfen können. Der Mensch bleibt in der Kontrollschleife. Blindes Vertrauen sei keine tragfähige Grundlage, so Scheck und Huber, weil dadurch mittelfristig Ergebnisse entstehen könnten, die nicht den Anforderungen entsprechen.

Tipps der AGES-IT für einen gelungenen Start in KI-gestützte Softwareentwicklung:

Scheck und Huber: 

„Unternehmen, die KI in der Softwareentwicklung einsetzen wollen, sollten sich über zwei Punkte im Klaren sein: über den konkreten Einsatzzweck und über das Potenzial, das sie tatsächlich heben wollen. Einige Zeilen Quellcode oder ganze Programme sind heute schnell erzeugt, der Teufel steckt jedoch im Detail. Wartbarkeit, künftige Weiterentwicklungen, die Aktualisierung eingesetzter Komponenten und Sicherheitsvorgaben müssen von Beginn an mitgedacht und in die Arbeit mit der KI überführt werden. Nur dann bleibt eine Lösung langfristig entwicklungsfähig.

Unser Fazit: KI wird nie Verantwortung übernehmen, diese bleibt beim Menschen. Der Aufwand, der zu Beginn in Rahmenbedingungen, Vorgaben und Kontrollmechanismen fließt, zahlt sich über den gesamten Lebenszyklus einer Anwendung aus. Gründliche Überlegung vor dem ersten Einsatz kostet Zeit – sie ist aber die Voraussetzung dafür, dass KI in der Entwicklung dauerhaft Nutzen stiftet.“

Beim CIO-Kongress vom 11.-13. Oktober in Loipersdorf zeigen AGES CIO Gottfried Scheck, Software-Entwicklungsleiter Matthias Huber und KI-Experte Jürgen Bogner an Tag 3 in ihrer Masterclass „Kein Kurs. Kein Skript. Ein Spiel. Wie die AGES-IT sich KI-fit gebaut hat“, wie dieser Weg in einer stark regulierten Organisation praktisch funktioniert hat und wo die Hürden lagen. Ein Teil des selbst entwickelten KI-Lernspiels kann dabei direkt ausprobiert werden. 

Achtung: Teilnahme an der Masterclass limitiert auf 15 Personen. Anmeldung direkt beim Kongress an der LSZ-Rezeption!

>> Zu den CIO-Kongress Tickets. 

Quellen: https://dora.dev/research/2025/dora-report/
https://dora.dev/insights/balancing-ai-tensions/
LSZ-Interview mit Gottfried Scheck und Matthias Huber (AGES) am 15.9.2026
Fotocredit: shutterstock/Collagery