KI verändert unsere Arbeitswelt schneller, als sich Bildungssysteme und Organisationen darauf einstellen können. Wie gut bereiten wir junge Menschen auf die Anforderungen der Wirtschaft vor? Welche Fähigkeiten werden künftig gebraucht und welche Verantwortung tragen Unternehmen? Diese Fragen standen zum Auftakt des zweiten Tages beim CIO Kongress 2026 im Mittelpunkt. Der von LSZ veranstaltete Kongress gilt als Österreichs relevantester Treffpunkt für CIOs und IT-Entscheider:innen mit hohem Praxis- und Strategiefokus.
Mit Christoph Wiederkehr war erstmals der österreichische Bildungsminister beim CIO Kongress zu Gast. Gemeinsam mit Vertreter:innen aus Wirtschaft und Bildung diskutierte er, wie sich die Lücke zwischen schulischer Ausbildung und den Anforderungen einer KI-geprägten Arbeitswelt schließen lässt. Klar wurde: Die Transformation des Bildungssystems ist eine gemeinsame Aufgabe. Eltern, Schüler:innen, Lehrkräfte und Unternehmen sind gleichermaßen gefordert. Kritisches Denken, Praxis- und Wirtschaftskompetenz gewinnen an Bedeutung.
In einer anschließenden Fokus-Runde brachte LSZ ausgewählte CIOs und Digitalisierungsverantwortliche direkt mit dem Bildungsminister zusammen. Ziel von LSZ war es, konkrete Anforderungen und Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis über den Bildungsminister direkt in den bildungspolitischen Dialog einzubringen. Damit unterstreicht LSZ seine Rolle als Plattform, die gesellschaftlich relevante Themen aufgreift, Anforderungen aus der Unternehmenspraxis auf den Tisch bringt und entscheidende Initiativen anstößt.
Bildung unter Veränderungsdruck: Lernen wir noch das Richtige?
Das Bildungssystem muss junge Menschen auf eine Arbeitswelt vorbereiten, in der sich Technologien und Berufsbilder laufend verändern. Entscheidend ist nicht allein der Umgang mit KI, sondern die Fähigkeit, deren Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.
Mit seinem Impuls zu Arbeit, Bildung, Leadership – kritische Spannungsfelder brachte der Bundesminister die bildungspolitische Perspektive ein. Die Herausforderung: Kinder und Jugendliche nutzen KI-Tools häufig bereits selbstverständlich im privaten Alltag. Doch wer KI nur konsumiert, lernt nicht automatisch, ihre Ergebnisse zu beurteilen.
Wenn KI Texte, Berechnungen und Programmcode in Sekunden generiert, gewinnen kritisches Denken, Medienkompetenz und Urteilsvermögen an Bedeutung. Denn Fehler zu erkennen, Quellen zu überprüfen und Desinformation von verlässlichen Informationen zu unterscheiden, erfordert fundiertes Wissen.
Wiederkehr betonte dabei die Bedeutung der Lehrkräfte: Nicht nur Informatiklehrer:innen, sondern alle Pädagog:innen benötigen grundlegende KI-Kompetenzen, sowohl für den Unterricht als auch für dessen Vor- und Nachbereitung.
The Value-Skill Gap: Zwischen Schulbank und KI-Fabrik
Der Value-Skill Gap beschreibt die Lücke zwischen den Fähigkeiten, die junge Menschen in ihrer Ausbildung erwerben, und jenen Kompetenzen, die Unternehmen in einer zunehmend KI-geprägten Arbeitswelt benötigen.
Wie lässt sich diese Lücke schließen? Darüber diskutierten beim LSZ CIO-Kongress unter anderem Martin Fluch, CIO (REWE International) und Astrid Zöchling, CIO (ORF). Die Bildungsperspektive brachten Bernhard Gmeiner, Lehrer (GRG15) und Bildungsminister Christoph Wiederkehr ein. Moderiert wurde die Diskussion von Michael Georg Grasser, Associate Professor (FH JOANNEUM).
Unternehmens-IT: Wenn sich Skills schneller verändern als Jobprofile
Für Unternehmen ist der Kompetenzwandel längst Realität. KI verändert Prozesse in der Softwareentwicklung, Datenverarbeitung und Wissensarbeit. Damit entstehen neue Anforderungen an IT-Teams und Fachbereiche.
Ein Beispiel ist die KI-gestützte Softwareentwicklung. Wenn Systeme Programmcode generieren, verschiebt sich ein Teil der menschlichen Arbeit hin zur Definition von Anforderungen, Qualitätssicherung und Bewertung von Sicherheitsrisiken.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob Mitarbeitende KI bedienen können, sondern ob sie deren Ergebnisse verstehen, überprüfen und im jeweiligen fachlichen Kontext sinnvoll einsetzen.
Schule und Wirtschaft: Mehr Praxis ins Klassenzimmer
Die Diskussion verdeutlichte, wie wichtig eine engere Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen ist. Praxisnahe Modelle wie HAK-Übungsfirmen oder Kooperationen mit Betrieben können jungen Menschen vermitteln, wie Wissen im Berufsalltag angewendet wird. Solche Initiativen gilt es stärker auszubauen.
Gleichzeitig braucht es mehr Eigenverantwortung und Selbstmotivation. Junge Menschen müssen lernen, sich kontinuierlich neues Wissen anzueignen, statt ausschließlich auf vorgegebene Lerninhalte zu vertrauen. Denn Schulen können nicht jede zukünftige Technologie vermitteln. Sie können aber die Grundlagen schaffen, damit Menschen mit Veränderungen umgehen und selbstständig weiterlernen können.
LSZ bringt CIOs direkt mit dem Bildungsminister zusammen
Nach dem Panel organisierte LSZ ein vertiefendes Salongespräch mit ausgewählten CIOs, CDOs und Geschäftsführenden. Ziel war es, Anforderungen aus der Unternehmenspraxis unmittelbar mit Bildungsminister Wiederkehr zu diskutieren.
Mit dabei waren unter anderem Helmut Stemmer (Future Learning Lab), Martin Fluch (REWE International), Karin Wegscheider (ÖBB-Personenverkehr), Ingo Oberortner (WIFO), Linus Kohl (voestalpine Krems), Marcus Harich (ams OSRAM), Mathias Frey (Erste Digital), Susanne Tischmann (ÖAMTC), Wolfgang Gärtner (ORF), Peter Reichstädter (Parlamentsdirektion) und Martin Dusek-Lippach (Wiener Linien).
Welche Kompetenzen fehlen Berufseinsteiger:innen? Wie können Schüler:innen früher mit Unternehmen zusammenarbeiten? Welche gemeinsamen Lernformate lassen sich entwickeln? Die beteiligten Führungskräfte brachten nicht nur ihre Anforderungen ein, sondern signalisierten auch die Bereitschaft, aktiv an Verbesserungen mitzuwirken.
Raus aus dem Reformstau: Was muss sich ändern?
KI-Kompetenz darf kein Spezialwissen einzelner Fächer bleiben. Digitale Bildung und kritischer Umgang mit Technologie müssen stärker Teil der Allgemeinbildung werden. In der Diskussion wurde deutlich, dass dafür nicht nur neue Lehrpläne, sondern auch Freiräume für Innovation und eine veränderte Lernkultur notwendig sind.
Der Vergleich mit einem großen Tanker beschreibt die Herausforderung des Bildungssystems: Grundlegende Reformen brauchen Zeit. Ergänzend können kleinere, flexible Initiativen neue Unterrichtsformen schneller erproben.
Für Unternehmen ergibt sich daraus ebenfalls Verantwortung. Wer künftig qualifizierte Fachkräfte benötigt, sollte nicht ausschließlich auf Reformen im Bildungssystem warten, sondern Kooperationen mit Schulen und Hochschulen aktiv unterstützen.
Was CIOs und Digital Executives vom LSZ CIO-Kongress mitnehmen können:
Der Auftakt des zweiten Kongresstages griff einen zentralen Gedanken des diesjährigen hochrelevanten LSZ CIO-Kongresses auf: Co-Intelligence.
Für Unternehmen und Bildungseinrichtungen ergeben sich daraus konkrete Handlungsfelder:
- KI-Kompetenz breit aufbauen: Lehrkräfte und Mitarbeitende benötigen grundlegendes Verständnis für KI und ihre Grenzen.
- Urteilsvermögen stärken: Kritisches Denken und die Bewertung von KI-Ergebnissen werden wichtiger.
- Bildung und Wirtschaft vernetzen: Kooperationen und praxisnahe Lernmodelle stärker ausbauen.
- Lebenslanges Lernen fördern: Eigenverantwortung und kontinuierliche Weiterbildung in Organisationen verankern.
- Leadership weiterentwickeln: CIOs, HR und Unternehmensführung müssen technologische und organisatorische Veränderungen gemeinsam gestalten.
Die nächste große Investitionsentscheidung betrifft deshalb nicht nur neue KI-Technologien, sondern auch die Fähigkeiten der Menschen, die künftig mit ihnen arbeiten.
Weiterdiskutieren in der LSZ Community
Die Zukunft der Digitalisierung entsteht im Austausch. LSZ versteht sich deshalb nicht nur als Veranstalter, sondern als Plattform, die gesellschaftlich relevante Themen aufgreift, Menschen bei Events und online vernetzt und gemeinsam mit der IT-Community konkrete Initiativen vorantreibt. Der Dialog zwischen Bildungsminister, CIOs und Wirtschaft beim CIO-Kongress war dafür ein erster wichtiger Schritt.
Die nächsten Gelegenheiten zum Austausch bieten das Cyber Crime Forum am 10. November in Linz und die Production & IT am 11. November in Rankweil. Am 17. November bei AI Challenge Accepted steht die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen KI erfolgreich in die Praxis bringen
Save the Date: Der nächste LSZ CIO-Kongress in Loipersdorf findet vom 17. bis 19. Oktober 2027 statt. Österreichs relevantester praxisorientierter Treffpunkt für CIOs und IT-Entscheider bietet erneut Raum für Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis, strategische Zukunftsfragen und neue Kooperationen.
Denn Co-Intelligence endet nicht mit dem Kongress. Sie beginnt dort, wo aus gemeinsamem Wissen gemeinsames Handeln wird.